
Cannabis beschneiden heißt, die Pflanze gezielt zu formen: Du kappst die Spitze, biegst Triebe zur Seite oder entfernst Blätter und schwache Äste, damit mehr Licht an die Blütenstände kommt. Das Ergebnis ist eine flache, breite Krone mit mehreren gleich starken Spitzen statt einer einzigen Hauptblüte – und eine luftigere Pflanze, in der Schimmel schlechter Fuß fasst. Die wichtigste Regel: Starke Eingriffe wie Topping gehören in die Wachstumsphase. In der Blüte schneidest du nur noch leicht.
In diesem Leitfaden erklären wir die gängigen Methoden – Topping, LST, Lollipopping, Entlauben sowie FIM, Supercropping und Mainlining –, zeigen, wann du welche anwendest, und worauf du bei Autoflowers und im Outdoor-Anbau in Deutschland achten musst.
Cannabispflanze beschneiden: die Methoden im Überblick
Nicht jede Methode passt zu jeder Pflanze. Die Tabelle zeigt, wann du sie anwendest, wie stark sie die Pflanze belastet und ob sie für Autoflowers geeignet ist.
| Methode | Was du machst | Wann | Stress | Autoflower |
|---|---|---|---|---|
| LST | Triebe sanft zur Seite biegen und festbinden | ab Woche 2–3 der Wachstumsphase | gering | ja |
| Topping | Haupttrieb über einem Knoten abschneiden | bei 4–6 Blattpaaren (Woche 3–5) | mittel | nur mit Vorsicht |
| FIM | Triebspitze nur zum Großteil abknipsen | wie Topping | mittel | nur mit Vorsicht |
| Supercropping | Trieb vorsichtig quetschen und knicken | späte Wachstumsphase | hoch | nein |
| Mainlining | mehrfaches Topping zu einem symmetrischen „Verteiler“ | ab dem 3.–4. Blattpaar, über Wochen | hoch | nein |
| Entlauben | große Fächerblätter entfernen, die Blütenstände verdecken | kurz vor der Blüte, leicht in Blütewoche 3 | mittel | nur leicht |
| Lollipopping | untere, schwache Triebe und Blätter entfernen | kurz vor oder in Blütewoche 1–2 | mittel | nur leicht |
Für den ersten Grow reichen meist zwei Methoden: LST für eine flache Krone und etwas Lollipopping vor der Blüte. Topping ist der nächste Schritt, wenn deine Pflanzen gesund und kräftig wachsen.
Topping: so toppst du Cannabis richtig
Beim Topping schneidest du die Spitze des Haupttriebs ab. Die Pflanze verteilt ihre Kraft daraufhin auf die beiden Triebe direkt unter dem Schnitt – aus einer Hauptspitze werden zwei. Wiederholst du das an den neuen Spitzen, entstehen vier, dann acht Haupttriebe.

Wann toppen?
Der beste Zeitpunkt ist, wenn die Pflanze 4–6 Blattpaare hat – meist in Woche 3–5 der Wachstumsphase. Dann hat sie genug Wurzeln und Blattmasse, um den Schnitt schnell wegzustecken. Wie die Pflanze in diesem Alter aussieht, zeigt unser Beitrag Cannabis Wachstumsphase Woche für Woche.
So gehst du vor
- Werkzeug: kleine, scharfe und saubere Schere – vorher mit Alkohol abwischen.
- Schnittstelle: direkt über dem 3. bis 5. Knoten, so dass die beiden Seitentriebe am Knoten unversehrt bleiben.
- Danach: Die Pflanze braucht etwa eine Woche, um sich zu erholen. In dieser Zeit nicht umtopfen und nicht stark düngen.
- Erneut toppen: erst, wenn die neuen Triebe selbst 2–3 Blattpaare gebildet haben.
Jedes Topping verlängert die Wachstumsphase um einige Tage. Bei photoperiodischen Sorten ist das kein Problem, weil du den Zeitpunkt der Blüte selbst bestimmst. Bei Autoflowers dagegen fehlen diese Tage später (siehe unten).
Tipp: Kräftige Triebe, die du an einer photoperiodischen Pflanze entfernst, kannst du auch bewurzeln – wie das funktioniert, zeigt unsere Anleitung Cannabis Stecklinge selber ziehen.
LST: Low Stress Training
Beim LST (Low Stress Training) schneidest du nichts ab. Du biegst den Haupttrieb und die Seitentriebe vorsichtig zur Seite und fixierst sie mit weichem, ummanteltem Draht oder Pflanzenbindern am Topfrand. So wachsen die Spitzen nebeneinander statt übereinander, und alle bekommen ähnlich viel Licht.

- Beginnen: ab Woche 2–3 der Wachstumsphase, solange die Triebe noch biegsam sind.
- Technik: langsam biegen, nie knicken. Lieber jeden Tag ein Stück weiter als einmal zu stark.
- Nachjustieren: Die Spitzen richten sich innerhalb eines Tages wieder zum Licht auf – Binder regelmäßig nachziehen.
- Ziel: eine flache, gleichmäßige Krone, in der alle Spitzen etwa gleich weit von der Lampe entfernt sind.
LST ist die schonendste Methode und deshalb die erste Wahl für Autoflowers, für kleine Growboxen und für den Balkon, wo die Pflanze nicht zu hoch werden soll. Gut kombinieren lässt es sich mit einem einzigen Topping.
Lollipopping: unten aufräumen, oben ernten
Beim Lollipopping entfernst du im unteren Drittel der Pflanze die schwachen Seitentriebe und kleinen Blätter. Übrig bleiben kahle Stängel unten und eine dichte Krone oben – die Pflanze sieht dann aus wie ein Lolli. Der Grund: Unten kommt unter einer Lampe kaum Licht an. Dort entstehen nur kleine, lockere Blüten, die trotzdem Energie verbrauchen.

- Wann: kurz vor der Umstellung auf 12/12 oder in den ersten beiden Blütewochen, während des Stretchs.
- Was weg kann: alle Triebe, die unterhalb der Krone im Schatten liegen und nicht mehr nach oben ans Licht kommen.
- Was bleibt: die oberen zwei Drittel der Pflanze mit allen kräftigen Trieben.
- In zwei Schritten: lieber einmal vor der Blüte und einmal in Blütewoche 2 schneiden als alles auf einmal.
Lollipopping lohnt sich besonders bei photoperiodischen Pflanzen unter einer Lampe. Outdoor, wo die Sonne von allen Seiten kommt, genügt es meist, die untersten Triebe in Bodennähe zu entfernen.
Cannabis entlauben: wie viel ist richtig?
Beim Entlauben (Defoliation) entfernst du große Fächerblätter, die Blütenansätze verdecken oder die Krone so dicht machen, dass kaum Luft hindurchkommt. Fächerblätter sind aber auch die Kraftwerke der Pflanze – entlaube deshalb maßvoll.
- Wann: kurz vor der Umstellung auf die Blüte und, wenn nötig, leicht um Blütewoche 3. Danach nur noch kranke oder gelbe Blätter entfernen.
- Wie viel: pro Durchgang nur so viele Blätter, dass die Pflanze sichtbar luftiger, aber nie kahl wirkt – als Orientierung höchstens etwa ein Fünftel der Blattmasse.
- Welche Blätter: große Fächerblätter, die direkt über einem Blütenansatz liegen oder ins Innere der Krone wachsen. Junge Blätter an den Triebspitzen bleiben.
Entlauben oder Ausgeizen?
Beim Ausgeizen entfernst du keine Blätter, sondern ganze Seitentriebe („Geiztriebe“) aus den Blattachseln – im Grunde das, was beim Lollipopping im unteren Bereich passiert. Entlauben betrifft dagegen nur Blätter.
Weitere Methoden: FIM, Supercropping und Mainlining
FIM
Beim FIM knipst du die Triebspitze nicht komplett ab wie beim Topping, sondern nur zum größten Teil – etwa drei Viertel der jungen Spitze. Oft entstehen daraus mehr als zwei neue Spitzen, das Ergebnis ist aber weniger vorhersehbar. Der Zeitpunkt ist derselbe wie beim Topping.
Supercropping
Beim Supercropping drückst du einen zu hohen Trieb zwischen den Fingern, bis das Innere nachgibt, und knickst ihn dann zur Seite. An der Stelle bildet sich ein verdickter „Knuckle“. Die Methode ist effektiv gegen einzelne zu hohe Triebe, stresst die Pflanze aber stark – nur in der Wachstumsphase und nur bei gesunden photoperiodischen Pflanzen.
Mainlining
Beim Mainlining toppst du die junge Pflanze früh und entfernst alles unterhalb, so dass nur zwei symmetrische Haupttriebe bleiben. Diese toppst du erneut, bis ein „Verteiler“ mit meist acht gleich starken Spitzen entsteht. Das kostet einige Wochen zusätzliche Wachstumszeit und Geduld – geeignet für erfahrene Grower mit photoperiodischen Sorten.
Wann Cannabis beschneiden? Der Kalender

| Zeitpunkt | Was du tun kannst | Was du lassen solltest |
|---|---|---|
| Wachstum Woche 1–2 | nichts schneiden, Keimling wachsen lassen | jedes Beschneiden |
| Wachstum Woche 2–3 | LST beginnen | Topping vor dem 4. Blattpaar |
| Wachstum Woche 3–5 | Topping oder FIM, LST weiterführen | gleichzeitig umtopfen und toppen |
| Wachstum ab Woche 5 | zweites Topping, Supercropping bei zu hohen Trieben | starke Eingriffe kurz vor der Umstellung |
| Vor der Umstellung auf 12/12 | Entlauben, erstes Lollipopping | Topping |
| Blütewoche 1–2 | Lollipopping abschließen, Stretch mit LST lenken | Topping, starkes Entlauben |
| Ab Blütewoche 3 | nur leichtes Entlauben, kranke Blätter entfernen | alles, was Triebe verletzt |
Was in der Blüte Woche für Woche passiert, erklären wir im Beitrag Cannabis Blütephase Woche für Woche.
Beschneiden bei Autoflowern
Autoflowering-Samen haben eine kurze, feste Wachstumsphase von etwa 3–4 Wochen. Jeder Tag, den die Pflanze nach einem Schnitt zur Erholung braucht, fehlt ihr später an Größe und Ertrag. Deshalb gilt für Autoflowers:
- LST: ja – die beste Methode für Autoflowers, ab etwa Woche 2.
- Topping: höchstens einmal und nur bei einer kräftigen, gesunden Pflanze, spätestens in Woche 3. Im Zweifel weglassen.
- Entlauben und Lollipopping: nur leicht und in kleinen Schritten.
- Supercropping und Mainlining: nein.
Outdoor: beschneiden gegen Schimmel
Im deutschen und österreichischen Herbst ist Schimmel die größte Gefahr für Outdoor-Pflanzen. Eine dichte Krone trocknet nach Regen und Morgentau nur langsam ab – genau dort setzt Blütenfäule an. Gezieltes Beschneiden hilft:
- Unterste Triebe entfernen: alles in Bodennähe, was Spritzwasser abbekommt und kaum Sonne sieht.
- Krone auslichten: einzelne Fächerblätter im Inneren entfernen, damit der Wind durch die Pflanze streichen kann.
- LST statt Höhe: eine breite, offene Pflanze trocknet schneller als ein hoher, dichter Busch.
Woran du Schimmel früh erkennst, steht im Beitrag Cannabis Schimmel erkennen. Sorten, die in Deutschland vor dem Herbstregen reif werden, findest du unter Outdoor Samen.
Häufige Fehler beim Beschneiden
- Zu früh toppen: vor dem 4. Blattpaar fehlen der Pflanze die Reserven, sie stockt lange.
- Zu viel auf einmal: Topping, Entlauben und Umtopfen in derselben Woche überfordert jede Pflanze.
- Kahlschlag beim Entlauben: ohne Fächerblätter fehlt die Energie für die Blüten.
- Starke Eingriffe in der Blüte: ab Blütewoche 3 nur noch leicht schneiden.
- Stumpfe oder schmutzige Schere: quetscht das Gewebe und öffnet Krankheitserregern die Tür.
- Kranke Pflanzen trainieren: erst Probleme beheben, dann beschneiden.
Wenn du gerade erst anfängst, findest du den kompletten Ablauf vom Samen bis zur Ernte in unserer Anleitung: Cannabis anbauen für Anfänger.
FAQ: Cannabis beschneiden
Wann sollte man Cannabis beschneiden?
Starke Eingriffe wie Topping machst du in der Wachstumsphase, wenn die Pflanze 4–6 Blattpaare hat – meist in Woche 3–5. LST kannst du schon ab Woche 2–3 beginnen. Entlauben und Lollipopping folgen kurz vor der Umstellung auf die Blüte und in den ersten beiden Blütewochen.
Kann man Cannabis in der Blüte beschneiden?
Nur leicht. In den ersten beiden Blütewochen kannst du noch Lollipopping abschließen und einzelne Fächerblätter entfernen. Ab Blütewoche 3 schneidest du nur noch kranke oder gelbe Blätter – Topping und starkes Entlauben sind in der Blüte tabu.
Bringt Topping mehr Ertrag?
Topping macht aus einer Hauptspitze mehrere gleich starke Triebe, die alle gut Licht bekommen. Unter einer Lampe führt das meist zu einer gleichmäßigeren Ernte mit weniger kleinen Blüten. Wie viel mehr es wird, hängt von Sorte, Licht und Platz ab – die Pflanze braucht dafür etwa eine Woche zusätzliche Wachstumszeit.
Was ist der Unterschied zwischen Topping und FIM?
Beim Topping schneidest du die Triebspitze komplett über einem Knoten ab, daraus entstehen zwei neue Haupttriebe. Beim FIM knipst du nur etwa drei Viertel der jungen Spitze ab – oft entstehen mehr als zwei Triebe, das Ergebnis ist aber weniger vorhersehbar.
Sollte man Autoflower toppen?
Besser nicht oder höchstens einmal bei einer kräftigen, gesunden Pflanze bis spätestens Woche 3. Autoflowers haben eine kurze, feste Wachstumsphase und holen die Erholungszeit nach dem Schnitt kaum auf. Die bessere Methode für Autoflowers ist LST.
Wie viele Blätter darf man beim Entlauben entfernen?
Pro Durchgang nur so viele, dass die Pflanze luftiger, aber nie kahl wirkt – als Orientierung höchstens etwa ein Fünftel der Blattmasse. Entferne vor allem große Fächerblätter, die Blütenansätze verdecken, und lass die jungen Blätter an den Spitzen stehen.
Sorten, die gut auf Training reagieren
Für Topping und LST eignen sich kräftige photoperiodische Sorten mit stabilen Seitentrieben. Zum Beispiel Kukulkan (Black Domina × Chronic, bis 950–1.000 g/1,5 m² unter 720-W-LED), Tutankhamon (AK-47, Schwierigkeitsgrad einfach, bis 900–1.000 g/1,5 m²) und Anubis (Somango × Wembley, bis 850–1.000 g/1,5 m²). Alle gibt es als feminisierte Samen, alle kommen direkt vom Züchter – Pyramid Seeds züchtet seit 2002 selbst –, mit Keimgarantie und diskretem Versand nach Deutschland und Österreich.
Sorten mit hohem Ertrag, die Topping und LST gut vertragen.




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